Antisemitismus im Aalster Karneval

Liebe Mitglieder,
Freundinnen und Freunde der Kölsche Kippa Köpp,

vor einigen Wochen haben wir uns wegen der wiederholten antisemitischen Auswüchse während des Karnevals im belgischen Aalst in einem offenen Brief an die Regionalregierung Flanderns gewandt.

Hier findet Ihr unser Schreiben

Am 7. April 2020 haben wir nun ein Antwortschreiben des flämischen Ministerpräsidenten und Ministers für Kultur, Jan Jambon erhalten. Wir möchten Euch seinen Brief nicht vorenthalten. So kann sich jeder seine eigene Meinung bilden. Da seine Antwort auf unseren offenen Brief ja persönlich an mich gerichtet ist, möchte ich hierzu dennoch ein paar Anmerkungen machen.

Hier findet Ihr die Antwort des flämischen Ministerpräsidenten

 Ich empfinde es zunächst als positiv, dass es einen Dialog zwischen den Aalster “Karnevalisten” und der jüdischen Gemeinschaft zu geben scheint und auch die Regierung Flanderns diesen Dialog unterstützt. Leider haben wir bis dato nichts Konkretes von diesem Dialog gehört und ich bin sehr gespannt, wann und wie dessen Ergebnisse wohl publik werden. Scheinbar waren die Gespräche bisher aber nicht fruchtbar genug, um neue antisemitische Hetze in diesem Jahr zu verhindern.

 Meiner Meinung nach wird sich zu sehr auf die Unabhängigkeit angeblicher Traditionen berufen. Gehört zu diesen „Traditionen“ tatsächlich auch, menschenverachtende antisemitische Stereotypen und Klischees zu bedienen? Persönlich finde ich es völlig inakzeptabel, sich imJanuar 2020 in Auschwitz-Birkenau hinzustellen und zu sagen, dass es “wünschenswert” wäre, keinen Antisemitismus im Aalster Karneval darzustellen. Ohne “Zensur” üben zu müssen, hätte man hier ganz andere und vor allem unmissverständliche Worte finden können und müssen. Auch ist es für mich schwerlich auszuhalten, dass wenn man formuliert, dass „andere die Traditionen als verletzend empfinden könnten”. Eine Floskel, die wohl ausdrücken soll, man könne solche Darstellungen wie in Aalst tatsächlich auch „anders“ empfinden.

Sicherlich signalisiert das Antwortschreiben von Herrn Jambon, dass sich die politisch Verantwortlichen in Flandern der Problematik von Aalst bewusst sind und diese bereinigen möchten. Beim Lesen des Briefes habe ich aber gerade nicht das Gefühl, dass diese Absicht von Erfolg gekrönt sein wird. Das Thema wird vermutlich aktuell bleiben.

Lieben Gruß, Schalom und bleibt gesund!
Aaron Knappstein

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